Raffaello-Hut selbstgemacht

Der eigentliche Grund, warum ich wieder mit dem Schreiben angefangen habe, ist der Mangel an sommerlicher Kopfbedeckung in handelsüblichen Geschäften. Da ich mir durch meinen wörtlich gemeinten Dickschädel auch meine winterliche Kopfbedeckung schon selber machen muss, dachte ich mir, kann ich mal auch gleich im Sommer weiter machen. Ich habe die Tiefen des Internets durchforstet und die einzige “sinnvolle” Anleitung die ich gefunden habe, war die Idee Bast zu flechten, zu einer Schnecke zu formen und daraus einen Hut zu nähen. Habe ich versucht, sah aus wie ein Trichter.

Also nächste Idee: selber planen. Für Individualitätsjunkies, ungenormte Kopfgrößeninhaber oder auch Modehausmeider kommt hier also mein Plan, wie ich mir meinen eigenen Raffaello-Hut geflochten habe – unter dieser Bezeichnung findet man den Schlapphut auch tatsächlich.

Alles was ich dafür gebraucht habe war Bast, eine Schere und ein bisschen Kleber (man kann die Bastfäden aber auch chemiefrei vernähen). Dazu kommen noch diverse Hilfsmittel, die einem das Leben einfacher machen.

benötigte Materialien

Ich habe mit der Krone begonnen, also dem Teil, der sich um den Kopf schmiegt. Da ich zwei Einzelteile habe, habe ich meine Flechttechnik für das zweite Teil optimiert. Der obere Teil wurde im Nachhinein zusammen geklebt, der untere im Vornherein. Der Prozess ist allerdings der selbe, nur dass man nicht so ein Geschmadder hat, wenn man versucht, sechs eng nebeneinander liegende Fäden zu verkleben.  Beide Teile sind mit neun Bastfäden geflochten. Es gibt wahrscheinlich diverse Möglichkeiten mit neun Fäden zu flechten, ich habe sechs Fäden, die jeweils locker einmal um meinen Kopf passen, zusammen gelegt und mit Klebestreifen an ihrem Platz fixiert. Die restlichen drei Fäden sollten gute zweimal um den Kopf passen, die werden dann nämlich durch die sechs Fäden gewebt. Dazu einfach den ersten langen Faden nehmen, über alle ungeraden, zurecht gelegten Fäden drüber und unter alle gerade drunter durch fädeln und ein wenig ziehen, sodass man einen Überstand hat. Beim zweiten Faden genau anders rum verfahren und fast bis zum Ende durchziehen und den dritten Faden, wie den ersten einfädeln. Dann wird der erste Bastfaden genommen, über den Dritten drüber gelegt und dann wie der zweite Faden durchgefädelt. Das macht man solange, bis man kurz vor dem Ende der kürzeren Strippen steht.
Flechten

Für das obere Teil habe ich am Kopf gemessen, wie die einzelnen Fäden zusammen geklebt werden und es mit Stecknadeln fixiert. Die optimierte, zweite Flechtmethode sieht vor, die kürzeren Fäden vorher so zusammen zu kleben, dass sie einmal bequem um den Kopf passen. Diese Kreise werden dann auch wieder zu sechs Strängen zusammen gelegt und die drei längeren Fäden eingewebt, wie in der ersten Methode beschrieben. Die Enden der langen Fäden habe ich auf der Innenseite des Huts verknotet.

Die beiden Teile sind mit einem üblichen 3-Strähnen Zopf verflochten, dazu einfach 3 lange Baststrippten nehmen und vor dem in die Mitte Legen durch die Bögen fädeln, die durch das Weben entstanden sind. Ich fand das sieht schöner als, als die Bögen zu vernähen. Der Deckel der Krone ist in einem Stück gewebt. Dazu einfach einen langen Bastfaden wiederholt quer über den Hut spannen und dann im 90° Winkel den restlichen Bast einweben.

Die Krempe ist schon etwas komplizierter. Die Flechtmethode ist die selbe. Diesmal flechten wir aber die Böden des unteren Teils der Hutkrone mit ein (wie es beim zusammenflechten der Kronenteile gemacht wird). Ihr solltet darauf achten, dass die äußeren Fäden länger sind als die inneren, da wir nun flach weben und nicht mehr im Bogen. Die Krempe könnt ihr so breit machen wie ihr sie haben wollt. Da ich einen Schlapphut haben wollte, ist sie relativ breit.

Flechten der Krempe

Am Ende habe ich den Hut impregniert, an meinem Trichter-versuch habe ich das allerdings zuvor getestet, nicht dass der Hut nach all der Arbeit aufweicht. Es hat sich gelohnt, ich war damit mehrere Tage am Strand, es war sehr angenehm Schatten im Gesicht zu haben und durch die Impregnierung konnte der Hut auch meine nassen Haare problemlos überstehen.

Am Ende habe ich für den Versuch einen Strohhut zu basteln “nur” Papierbast gekauft, der mich auf 90m lediglich 1€ gekostet hat (war gerade passend in der Werbung :D). Für meinen Raffaellohut habe ich auch beinahe die 90m gebraucht, vom Dunkelgrün ist noch ein bisschen übrig geblieben. Da mir die Krempe sehr tief hängt werde ich noch andere Methoden ausprobieren, solange bis mir einer absolut gefällt. Dafür werde ich dann aber wetterbeständigeres Gärtnerbast besorgen.

Kommentare (5)

  1. Eine sehr schöne Idee, sich den Sommerhut einfach selbst zu machen. Das Ergebnis sieht auch richtig toll aus. :)
    In den Länden ist die Auswahl da wirklich nicht allzu groß und wenn man dann auch noch keine 08/15 Größe hat, kann man die Suche wahrscheinlich direkt aufgeben.

    Viel Erfolg beim Verbessern und weiterem Rumprobieren. ;)

    Liebe Grüße!

    #BloKoSo

  2. Hallo Mützenschaf,
    tolle Idee. Ich habe auch so einen Dickschädel. Standardhüte mir leider immer zu klein. Bei Raffaello-Hut habe ich doch erst einmal an Kokosbällchen an warmen Stränden gedacht. ;-) Wusste nicht, dass sie wirklich wo heißen.

    Das Logo gefällt mir richtig gut. Hast du das selbst erstellt?

    Liebe Grüße
    Renate

    • Ja, das Logo habe ich selber mit dem Grafiktablett erstellt.
      Den Beitrag hat meine Freundin MissHenrietta erstellt, die macht so was öfter. Für Halloween hat sie sich ein wunderbares Pan-Kostüm selber gemacht.

  3. Wow, das sieht nach einer ganzen Menge Arbeit aus, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen!

    Liebe Grüße
    Jannis

  4. Melanie Wittig

    Die Idee ist super! Sieht auch mega geil aus der Hut, aber mir würde da eindeutig die Geduld und das Fingerspitzengefühl fehlen ;)
    Mal sehen ob ich jemanden finde, der so nett ist und mir den macht, deine Anleitung ist ja super!

    Liebe Grüße,
    Melanie

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